Sigmund Freud

Sigmund Freud


Entsprechend seiner eigenen Aussage war zunächst das Berufsziel Sigmund Freuds eine Karriere in der Armee – wie sie typisch war für seine männlichen Familienangehörigen. Als daraus nichts wurde, begann Freud mit der Entwicklung seines psychoanalytischen Modells – wieder mit der Absicht verbunden, zumindest dadurch berühmt zu werden, wenn es schon in der Armee nicht geklappt hatte.

Professor Bernd Senf beschreibt den Verlauf der Entstehung des psychoanalytischen Modells Sigmund Freuds in seinem Buch “Die Wiederentdeckung des Lebendigen” folgendermaßen: Zunächst entwickelte Sigmund Freund sein Modell der Psychoanalyse “im stillen Kämmerchen”. Die Kernaussage seines Modells war zunächst, als er damit an die Öffentlichkeit getreten war, dass der Mensch nicht von Natur aus “böse” sei, sondern dass äußere Umstände Blockaden im Unterbewusstsein des Menschen erzeugen. Diese Blockaden verhindern nun den natürlichen Fluss einer Art Energie, die im Folgenden als die “Lebensenergie” bezeichnet werden soll. Diese Energie wird nun unbewusst aufgestaut, beispielsweise wenn das natürliche Interesse eines Kindes beim Erkunden seiner Umwelt nicht erwidert wird, oder wenn die Bezugsperson, die Mutter, nicht auf die neugierig liebevolle Kontaktaufnahme durch das Kind mit Interesse und Liebe sondern mit Abneigung und Distanz reagiert.

Das Kind möchte aber einen liebevollen Kontakt zur Mutter aufbauen. Wenn es beispielsweise öfters die Erfahrung der Abneigung und Zurückweisung als Gegenreaktion auf seinen Wunsch der liebevollen Kontaktaufnahme gemacht hat, dann wird das Kind eine Art Schutzpanzer, im Folgenden als “Körperpanzer” bezeichnet, aufbauen, um sich vor den negativen Gegenreaktionen der Mutter zu schützen. Dieser Körperpanzer staut nun auch die obengenannte positive Lebensenergie des Kindes. Um den Stau aufrecht zu halten, muss das Kind mehr und mehr Energie in diesen Mechanismus investieren. Es entstehen innere Spannungen im Kind. Irgendwann werden die angesammelten Energien zu groß, dann erfolgt eine Entladung, welche sich in aggressiver Form äußert.

Mit diesem Modell trat Freud dann zunächst an die Öffentlichkeit. Er erntete offene Ablehnung und Kritik – sagt das Modell doch aus, dass die Probleme letztlich im Umfeld, in der Gesellschaft zu finden sind und schließlich Einzug in der Psyche des Neugeborenen finden. Sigmund Freud wollte Karriere machen mit seinem Modell der Psychoanalyse – er wollte berühmt werden. So kam es nun – wie Professor Bernd Senf es bezeichnet – zum Fall Sigmund Freuds: er veränderte bzw. manipulierte sein Modell (mit dem er anfangs schon auf dem richtigen Weg war) soweit, dass es dem damaligen gesellschaftlichen Konsens entsprach: er reduzierte das Modell. Von nun an trug das Kind beide Tendenzen fest in sich, das sogenannte Gute und das sogenannte Böse. Nun war es die Aufgabe der Psychoanalyse, die Funktionsweise beider genannter Mechanismen, des “Guten” und des “Bösen”, zu erforschen.

Nun war die Gesellschaft wieder von ihrer “Schuld” und Verantwortung entbunden – das nun reduzierte Modell der Psychoanalyse war gesellschaftskonform und somit wieder für die beabsichtigte Karriere Sigmund Freunds geeignet. Jedoch war dies auch der genannte “Sündenfall” des Sigmund Freud. Alle im Folgenden durch die Psychoanalyse getroffenen Schlussfolgerungen bauen auf absichtlich verstümmelten Annahmen des zugrunde liegenden Modells auf. So sind auch deren Schlussfolgerungen nur teilweise richtig bzw. zutreffend.

Nebenbei bemerkt trifft dies auch in ähnlicher Weise auf den Schweizer Psychiater und Begründer der Analytischen Psychologie Carl Gustav Jung zu. Dieser verwendete als Vorlage für seine Arbeiten alte Quellen gnostischen Inhalts. Diese Inhalte verarbeitete er zum Teil in seinen wissenschaftlichen Ausarbeitungen. Seine Schüler wies er ausdrücklich darauf hin, die genannten gnostischen Schriften nicht zu erwähnen und auch nur soweit in die Lehren einfließen zu lassen, wie es gesellschaftskonform war.

Jedoch hatte Sigmund Freud einen Schüler – Wilhelm Reich war sein Name. Dieser Wilhelm Reich wählte einen anderen Weg. Er folgte nicht der Richtung des absichtlich verstümmelten Modells der Psychoanalyse seines Lehrmeisters, er begann das ursprüngliche Modell weiter zu erforschen und zu erweitern.

Literaturtipp:

Bernd Senf: Die Wiederentdeckung des Lebendigen, Omega Verlag, Aachen, 2007, ISBN 978-3-930243-28-0.
 

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