Ritalin

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Ritalin – Kindesmissbrauch auf Rezept?

Derart provozierend lautet die Kapitelüberschrift in Dr. Vernon Colemans Buch “Wie Sie Ihren Arzt davon abhalten, Sie umzubringen”.

Seit den 1960er Jahren wird Ritalin bereits zur Behandlung von Funktions- und Verhaltensstörungen wie z.B. dem “Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)” eingesetzt. Die ersten, zu deren Behandlung Ritalin empfohlen wurde, waren Kinder, die an Minimaler Cerebraler Dysfunktion (MCD) litten.

Die entsprechende Definition lautete laut Dr. Coleman:

    ...Kinder, leicht unterdurchschnittlicher, durchschnittlicher oder überdurchschnittlicher Intelligenz, mit bestimmten Lern- oder Verhaltensbehinderungen, die von leicht bis schwer sein können, verbunden mit abweichenden Funktionen des Zentralnervensystems. Diese Abweichungen können sich manifestieren durch verschiedene Kombinationen aus Einschränkung und Wahrnehmung, der begrifflichen Erfassung, der Sprachfähigkeit, des Erinnerungsvermögens sowie der Kontrolle der Aufmerksamkeit, der Impulse und der Motorik. Andere von Kindern gezeigte Symptome, die als MCD beschrieben werden konnten, umfassten: ruhig und ausgeglichen zu sein, kooperativ und freundlich, leichtgläubig und leicht steuerbar, schnell einzuschlafen, gut zu schlafen und so weiter und so fort.

Laut der Aussage Dr. Colemans ist es schwer mit dieser Liste als Arbeitsgrundlage ein Kind zu finden, welches (theoretisch) nicht von Ritalin profitieren würde. Wie er schreibt, ist es im Ergebnis für Sozialarbeiter und Lehrer einfach geworden, von einem Kind, das sich schlecht benimmt oder nicht “richtig” lernt, zu behaupten, es leide an MCD oder ADHS. Eine bequeme Diagnose, die Eltern, Lehrer und Sozialpädagogen von jeglicher Verantwortung und jedem Gefühl der Schuld befreien würde.

Hilft Ritalin? So stellt sich die Frage. Sicher, viele Lehrer, Eltern und Pädagogen bauen auf das Medikament. Ein Kind, das Ritalin bekommt, mag weniger stören. Aber hilft es dem Kind wirklich oder wird es durch die Verabreichung von Ritalin nur durch Drogen ruhiggestellt? Drogen – Ritalin, umgangssprachlich auch oft als Kinderkoks bezeichnet, ist nichts anderes als die Droge Speed. Bei hyperaktiven Kindern ist nur die Wirkung eine andere – statt auftreibend wirkt die Droge bei diesen beruhigend.

Wie ein einem Bericht zu diesem Thema im Magazin “Der Spiegel” zu lesen war, zeigten viele große Persönlichkeiten wie Albert Einstein oder Mozart gerade jene Verhaltensauffälligkeiten, bei denen heute Ritalin zum Einsatz kommt. Hätten Mozart und Einstein Ritalin verabreicht bekommen, so hätten diese Ihr Leben, durch die Droge ruhiggestellt, wohl in Bedeutungslosigkeit und Oberflächlichkeit gefristet.

Hier laut Dr. Coleman die weiteren Nebenwirkungen von Ritalin:

    Nervosität, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schwindelgefühl, Gliedersteife, verschwommenes Sehen, Schüttelkrämpfe, Muskelkrämpfe, Ticks, Tourette-Syndrom, toxische Psychosen, vorübergehende depressive Stimmung, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, trockener Mund, Herzrasen, Zittern, Herzrhythmusstörungen, Veränderung des Blutdruckes und des Pulses, Angina Pectoris, Hautausschlag, Juckreiz, Nesselausschlag, Fieber, Gelenkschmerz, Alopezie, Thrombozytose, Hautflecken, Hautentzündung mit stellenweiser Ablösung, Hautrötung, krankhafte Vermehrung weißer Blutkörperchen, Blutarmut, leichte Wachstumsverzögerungen bei fortgesetzter Anwendung bei Kindern. ... Es wird auch von Kindern berichtet, die nach Absetzen des Medikaments Selbstmord begingen.

Auch geht man übrigens davon aus, dass die langfristige Nutzung von Ritalin zu einer erhöhten Reizbarkeit und gesteigerten Hyperaktivität führt – also zu genau den Symptomen, die das Medikament ja angeblich gerade eben heilen soll!

Für Dr. Coleman ist das Verschreiben von Ritalin übrigens wirklich Kindesmissbrauch auf Rezept, und das in einem riesigen, globalen Ausmaß. Ritalin – das Ruhigstellen von Kindern durch die Verabreichung von Drogen, eine Bewußtseinskontrolle. Eine Flucht der Gesellschaft – von Eltern, Lehrern und Pädagogen – sich mit den eigentlichen Ursachen des Problems auseinandersetzen zu müssen!

Literaturtipp:

Vernon Coleman: Wie Sie Ihren Arzt davon abhalten, Sie umzubringen, Kopp Verlag, Rottenburg, März 2005, ISBN 3-930219-99-9.
 

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