Emanzipation

Emanzipation


Eugen Drewermann schreibt, dass, je schöner ein Mädchen wäre, es umso mehr unter den Voraussetzungen einer Aschenputtel-Biographie fürchten müsse, zu einem Aschenputtel gestempelt und von der eigenen (Stief-)Mutter als “Hure” oder “Hexe” beschimpft zu werden. Auch heute noch. Wie kommt das? Trotz fortschreitender Emanzipation? Bei näherer Betrachtung versteht unser Kulturkreis unter Emanzipation hauptsächlich, dass Frauen es Männern gleichtun. Frauen tragen Hosen. Männer keine Röcke. Entsprechend der kulturellen Prägung wird das Weibliche dem Männlichen als untergeordnet betrachtet: das beginnt im christlichen Glauben. Gott und sein Sohn sind männlich, also HERRlich. Und die Eva aus dem Paradies war eben DÄMlich, weil sie in den verbotenen Apfel gebissen hat. “Herrlich” und “Dämlich” – selbst unser Wortschatz beinhaltet also diese Prägung. Eine Gruppe von 99 Frauen würde als “Bürgerinnen eines Landes” bezeichnet werden. Kommt auch nur ein Mann dazu, so würde man von “100 Bürgern” sprechen. Lebt eine Frau ihre Sexualität, so wird sie als Dirne bezeichnet. Verneint sie diese, so gilt sie als anständig und keusch. Gebärt sie innerhalb der Familie Kinder, gilt sie als gute Mutter. Gebärt eine Jungfrau über die unbefleckte Empfängnis ein Kind, am besten einen Knaben, dann wird sie als heilig betrachtet. Bei einem Mann sieht das ganz anders aus. Die Mätressen und Konkubinen der Päpste und Könige des Mittelalters leisten hier Zeugnis.

Emanzipation wie die Gesellschaft sie versteht: Frauen treten in die Fußstapfen der Männer und versuchen bessere Männer zu werden statt zu sich selbst zu finden. Und diese lassen sich den “Rang” natürlich nicht ohne weiteres ablaufen. Für die gleiche Anerkennung muss die Frau so also einiges mehr an Leistung erbringen. Die Zeitungsmeldungen berichten laufend davon: durchschnittlich verdient die Frau in der BRD 22 % weniger als der Mann – und das bei gleicher Leistung. Ist eine Frau also 22 % weniger wert? Oder muss sie 22 % mehr an Leistung erbringen, um dem Mann ebenbürtig zu werden?

In der Telefonseelsorge berichten Mädchen und Frauen von Beziehungsproblemen. Auch berichten sie offen davon, dass sie nie einen Mann als Partner für sie akzeptieren könnten, der Achtung für sie empfindet. Da wundert man sich dann nicht mehr über die genannten Beziehungsprobleme. Aber woher kommt das? Der Grund ist die unbewusste Überzeugung dieser Frauen, dass das Männliche dem Weiblichen letztlich doch überlegen ist. Ein Mann, welcher also Achtung für diese Frau empfinden und zum Ausdruck bringen würde, würde also etwas verehren, das in der unbewussten Überzeugung eben dieser Frau als minderwertig betrachtet wird. Und infolgedessen würde die Frau die Achtung vor dem Mann der sie liebt verlieren: wie kann ein Mann nur so was wie mich lieben? Und falls doch, dann hat er ja nicht alle Tassen im Schrank. Unvorstellbar?

In meinen Büchern “Der fehlende Baustein” und “Geld durch Schulden” habe ich auf die tieferen Hintergründe des aktuellen Weltgeschehens hingewiesen. Auf die Existenz eines verborgenen, inzwischen nahezu weltweiten Herrschaftssystems, welches nur wenigen bewusst ist. Der US-Autor Jim Marrs beschreibt die Herkunft und Funktionsweise diese Systems in seinem Buch “Der Aufstieg des Vierten Reiches”, Kopp Verlag, Rottenburg, September 2009, ISBN 978-3-938516-0. Er nennt vierzehn für diese Systeme typische Eigenschaften. Eine davon sei hier zitiert:

    Er schreibt: “Abgesehen von der einfachen Tatsache, dass die politische Elite und die nationale Kultur fast ausschließlich von Männern bestimmt waren, betrachten diese Regime Frauen generell als Bürger zweiter Klasse. Diese Auffassungen wurden normalerweise in strenge Gesetze gegossen, die von der orthodoxen Religion des jeweiligen Staates unterstützt wurden.”

Jim Marrs ist übrigens auch Verfasser des Buchs Crossfire, welches die Hintergründe des Kennedy Attentats zum Thema hat. Es stand wochenlang auf der New-York-Times-Bestsellerliste und diente als Hauptquelle für Oliver Stones Kinoerfolg JFK.

Ist das der Grund, warum das Feminine letztlich weltweit als zweitklassig betrachtet wird? Die Beschneidung der Mädchen in Afrika, die Unterdrückung der Frau im Islam, die Witwenverbrennung in Indien, die Frau als Handelsobjekt in Asien? Aber bei uns ist es nicht viel anders, nur besser verschleiert: wie war das denn nochmal mit der durchschnittlich 22 % geringeren Bezahlung? Oder der daraus resultierenden besonders bei Frauen verstärkt auftretenden Altersarmut? Wie ist das bei Firmen, die gerne alleinerziehende Mütter halbtags beschäftigen? Gerne wird das als sozial verantwortungsvoll dargestellt, hinter vorgehaltener Hand erfährt man jedoch die wahren Gründe: diese werden an der “kurzen Leine” gehalten, sie sind genügsam (können es sich nicht leisten, den Job zu verlieren aufgrund des Kindes) und leistungsstark. Die “soziale Verantwortung” klingt also eher nach einer Herde von Schafen, die ausgebeutet werden soll. Und Sozialleistungen muss man ihnen ja nicht bezahlen, ein 400 Euro-Job reicht völlig. Sie sind ja alle über ihre Ehemänner sozialversichert. Oder sollten es zumindest als gute Frauen sein. Eugen Drewermann (auf ihn werden wir noch zu sprechen kommen) erklärt die Funktionsweise dieses Mechanismus sehr ausführlich in seinem Buch “Von der Macht des Geldes: oder Märchen zur Ökonomie”, Herder Verlag, Freiburg, 2009, ISBN 978-3451060595.

Zusammenfassend ließe sich nun sagen, dass die mal mehr oder weniger deutlich zu Tage tretende weltweite Einstufung der Frau als Bürgerin zweiter Klasse das absichtliche Ergebnis eines im verborgenen etablierten männlichen Systems ist. Eine Maßnahme des Systems zur Sicherung seines Machterhalts. Aber zu was hat dieses weltweite, globale System geführt, dessen Ursprünge und Absichten bereits bei den alten Sumerern zu finden sind und sich über die darauf folgenden Reiche (das Römische Reich, das British Empire etc.) bis heute hinziehen? Zu einem zusammenbrechenden Finanzsystem, bei dem weltweit täglich 30.000 Kinder am Hungertod sterben, obwohl bei den Banken so viel Zockergeld unterwegs ist, dass der ganze Planet zweimal mit Ein-Dollar-Noten zugepflastert werden könnte? Zu Militärausgaben in gigantischer Höhe, zu zehntausend Atomsprengköpfen. Zu Staatsverschuldungen, bei denen sich die wenigsten die Frage stellen, wer denn dann über das ganze Geld verfügt, wenn alle Staaten, inkl. der USA, der BRD etc. nur verschuldet sind. Übrigens weist auch Bernd Senf in seinem Buch “Die Wiederentdeckung des Lebendigen” darauf hin, dass der Ursprung zur Ausbreitung der Gewalt vor 6.000 Jahren aufgrund der Etablierung eines patriarchischen Herrschaftssystems zu finden ist – also wieder zur Zeit des Reiches der Sumerer. Nun, dieses System ist nun im wahrsten Sinne bankrott. Wer sich näher hierfür interessiert, sei auf mein Buch “Geld durch Schulden” verwiesen.

Aber wie sollte die Emanzipation denn nun aussehen, könnte man(n) sich fragen? Und die Antwort ist einfach: nun, das wird die Frau schon selbst am besten wissen, wie sie jenseits der genannten Illusion der Zweitrangigkeit der Frau zurück zu sich selbst findet.

Abschließend soll noch auf die Hintergründe und “Beweisführung” der Prägung unseres westlichen Kulturkreises bezüglich der Frau eingegangen werden: Gott wird als männlich betrachtet, da Maria “unbefleckt” ein Kind geboren hat. Wenn also kein Mann im Spiel war und Gott ein Wunder gewirkt hat, dann muss Gott wohl “irgendwie männlich” sein, damit Maria überhaupt schwanger werden konnte. Abgesehen von der Lächerlichkeit dieser “Beweisführung” steht sie im Widerspruch zur Aussage der Bibel “Du sollst Dir kein Bild von Gott machen”. Gott als Mann identifizieren zu wollen ist bereits ein sehr starkes Bild, da es die andere Hälfte der Schöpfung ausschließt. Als nächstes wird die Frau wegen des “biblischen Sündenfalls” dem Manne als untergeordnet betrachtet. Ein eifersüchtiger, männlicher Gott hat hier also Angst, dass ihm die Menschen den Rang streitig machen könnten, wenn diese durch den Biss in den Apfel gut von böse zu unterscheiden lernen? Schon wären die göttliche Allmacht und Allwissenheit gefährdet? Wusste der nicht, dass Eva in den Apfel beißen würde, da ihn die Bibel als sehr überrascht beschreibt, als er dies feststellte? Und schließlich wissen die Sumerischen Keilschriften etwas ganz anderes über die Herkunft dieses Textes zu berichten. Und: Gott schickt seinen Sohn Jesus in die Welt um diese zu erlösen. Also auch hier wieder: Jesus ist männlich. Die apokryphen Texte der Bibel der Häretiker berichten übrigens darüber, dass Maria Magdalena die eigentliche Nachfolgerin Jesu gewesen sei. Zehntausende Bürger Südfrankreichs mussten im frühen Mittelalter übrigens dem Versuch des Vatikans, dieses Geheimnis aus der Geschichte auszulöschen, mit dem Leben bezahlen. Wer sich näher hierfür interessiert, sei auf mein Buch “Der fehlende Baustein” verwiesen. Auch ist die Unterdrückung der Frau im Islam nicht an sich durch den Koran vorgegeben, sondern nur eine freie Interpretation der natürlich auch dort nur männlichen Kleriker.

Vielleicht mag manch einer (oder eine) nun einwenden, dass das Prinzip der Zweitrangigkeit der Frau erstens (nahezu) weltweit und zweitens bereits seit den genannten in etwa 6.000 Jahren schon der Fall ist. Irgendwas wird da dann doch schon dran sein müssen. Nun, wie dieser Effekt der “perfekten Illusion” funktioniert, weiß Jim Marrs in seinem bereits zitierten Buch zu erklären. Er schreibt, dass dies einer der beliebtesten Standardtricks aller Herrscher sei.

So zitiert er Adolf Hitler aus dessen Buch “Mein Kampf”:

    “Man ging sehr korrekt von der Annahme aus, dass in der größten Lüge immer ein Körnchen Wahrheit vorhanden wäre, denn die große Masse der Leute fällt eher auf eine große Lüge herein als auf eine kleine. Der Grund ist, dass sie selbst sehr häufig in kleinen Dingen lügt. Aber sie würde sich zu sehr schämen, eine Riesenlüge zu erzählen. Deshalb würde es ihr nicht einmal einfallen, eine große Lüge zu erzählen, und sie würde nicht glauben, dass andere ihr eine so schamlose Lüge erzählen. Und sie würde zweifeln und zögern, selbst nachdem man ihr die Wahrheit gesagt hätte. Sie wäre immer noch davon überzeugt, dass es eine andere Wahrheit geben müsse. Und gerade aus diesem Grund wird ein kleiner Teil auch der unverschämtesten Lüge haften bleiben, eine Tatsache, die die größten lügenden Künstler und Gesellschaften dieser Welt nur zu gut kennen und deshalb schamlos ausnutzen.”

Anders formuliert: man könnte dieselbe oben genannte Vorgehensweise auch einsetzen, um eine Gesellschaft zu etablieren, in der der Mann zweitrangig gegenüber der Frau erscheinen würde. Einmal etabliert und in den Köpfen der Masse verankert, würde diese dann selbst dafür sorgen, dass diese “Wahrheit” für “immer bestehen” bleibt. Unter dem Ausdruck “Körnchen Wahrheit” ist zu verstehen, dass sich immer etwas finden lassen würde, was die Frau besser kann als der Mann (Kinder gebären) und auch umgekehrt (Bäume fällen).

Und warum hat sich die “perfekte Illusion” gerade in der aktuellen Weise etabliert? Nun, dies war, wie bereits erwähnt, kein Zufall: Wie Prof. Bernd Senf bereits erwähnte, ist der Ursprung zur Ausbreitung der Gewalt vor 6.000 Jahren aufgrund der Etablierung eines patriarchischen HERRschaftssystems zu finden. Und dieser “Ausbau” dauert über die genannten Reiche (das Römische Reich, das British Empire etc.) bis heute an. Und das Mittel zur Durchführung ist u.a. der oben genannte “Standardtrick aller HERRscher”. Josef Goebbels hat einmal gesagt, eine Lüge müsse man nur oft genug wiederholen, dann werde sie zur Wahrheit.

Literaturtipps:

Bernd Senf: Die Wiederentdeckung des Lebendigen, Omega Verlag, Aachen, 2007, ISBN 978-3-930243-28-0.

Eugen Drewermann: “Von der Macht des Geldes: oder Märchen zur Ökonomie”, Herder Verlag, Freiburg, 2009, ISBN 978-3451060595.

Jim Marrs: “Der Aufstieg des Vierten Reiches”, Kopp Verlag, Rottenburg, September 2009, ISBN 978-3-938516-0.
 

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